Microgreens im Winter anbauen: Frisches Grün auf der Fensterbank
Draußen stehen die Balkonkästen still. Die letzten Tomaten sind längst geerntet, und der Basilikum am Küchenfenster wächst kaum noch. Trotzdem wäre ein wenig frisches Grün auf dem Brötchen schön. Für einen weiteren großen Pflanzkübel fehlt in der Wohnung allerdings der Platz.
Eine flache Schale passt oft noch auf die Fensterbank. Darin können Radieschen, Brokkoli oder Kresse als junge Pflänzchen wachsen. Schon nach kurzer Zeit lässt sich das Grün abschneiden und in der Küche verwenden.
Im Winter entscheidet vor allem der Standort darüber, ob aus den Samen kräftige Pflänzchen werden. Am dunklen Fenster wachsen sie dünn und lang. Direkt an der Scheibe kann es nachts zu kalt sein, über der Heizung trocknet die Schale schnell aus. Mit einer kleinen ersten Aussaat findest du heraus, welcher Platz in deiner Wohnung funktioniert.
Was sind Microgreens?
Microgreens sind sehr junge, essbare Pflanzen. Sie werden geerntet, sobald sich ihre Keimblätter und je nach Sorte die ersten richtigen Blätter entwickelt haben.
Bei Radieschen wartest du also nicht auf eine rote Knolle. Du schneidest die jungen Stängel und Blättchen oberhalb der Anzuchtunterlage ab. Die Wurzeln bleiben in der Schale.
Wie schnell das geht, hängt von der Sorte und den Bedingungen ab. Häufig vergehen von der Aussaat bis zur Ernte ungefähr ein bis drei Wochen. Im dunklen Winter kann es länger dauern.
Erwarte von einer kleinen Schale keine Gemüseportion für das Abendessen. Microgreens sind eher eine frische Ergänzung, ähnlich wie Kräuter oder zarte Salatblätter. Radieschengrün bringt zum Beispiel eine würzige, leicht scharfe Note auf ein belegtes Brot.
Was ist der Unterschied zu Sprossen?
Sprossen wachsen häufig im Keimglas und werden meist mitsamt der Wurzel gegessen. Microgreens wachsen auf einer Anzuchtunterlage, bekommen nach der Keimung Licht und werden oberhalb dieser Unterlage abgeschnitten.
Auch Gartenkresse kannst du auf diese Weise anbauen: Das grüne Würzgrün wird abgeschnitten, die Wurzeln bleiben zurück.

Welche Sorten eignen sich für den Anfang?
Beginne mit einer Sorte in einer kleinen Schale. So erkennst du leichter, ob der gewählte Fensterplatz passt und wie schnell die Unterlage dort trocknet.
Radieschen für würziges Grün
Radieschen-Microgreens schmecken leicht scharf. Je nach Sorte haben sie grüne Blätter und rötliche oder violette Stängel. Unter günstigen Bedingungen sind sie oft nach ungefähr sieben bis vierzehn Tagen erntereif.
Sie passen zu Eierspeisen, herzhaft belegten Broten oder einem Burger. Wenn du den Geschmack von Radieschen magst, ist das ein guter erster Versuch.
Brokkoli für einen milderen Geschmack
Brokkoli-Microgreens bilden feine Stängel und kleine Blättchen. Ihr Geschmack ist milder als der von Radieschengrün. Du kannst sie beispielsweise zu einem Salat oder einem Gemüsegericht geben.
Gerade bei dieser Sorte lohnt es sich, den Fensterplatz nach der Keimung genau zu beobachten. Bei wenig Licht entwickeln sich die Pflänzchen möglicherweise lang und dünn.
Gartenkresse für die kleinste Schale
Gartenkresse braucht weder einen tiefen Topf noch viel Platz. Auf einer geeigneten feuchten Unterlage lässt sie sich in einer kleinen Schale ziehen. Unter günstigen Bedingungen kannst du sie nach ungefähr acht bis zehn Tagen schneiden.
Sie schmeckt zu Frischkäse, Ei und Kartoffeln. Wenn du erst einmal ausprobieren möchtest, ob dir diese Art der Anzucht liegt, beginne mit Kresse.
Wichtig: Säe keine Tomaten, Paprika, Chili, Auberginen oder Kartoffeln als Microgreens zum Verzehr aus. Verwende Saatgut von Pflanzenarten, die für essbare Microgreens geeignet sind, und beachte die Angaben des Herstellers.

Was brauchst du für die erste Schale?
Für den Einstieg reichen eine flache Anzuchtschale, geeignetes Saatgut, eine frische Anzuchtunterlage und sauberes Trinkwasser. Ein großes Indoor-Gartensystem ist dafür nicht nötig.
Eine Schale mit ungefähr 15 × 20 Zentimetern Grundfläche ist ein handliches Beispiel für eine kleine Fensterbank. Sie sollte sich gut reinigen lassen. Je nach System kann überschüssiges Wasser ablaufen oder aus einer Auffangschale entfernt werden.
Als Unterlage kommen geeignetes frisches Anzuchtsubstrat oder eine Anzuchtmatte für Microgreens infrage. Nimm keine alte Erde aus dem Balkonkasten. Sie ist für diese kurze Anzucht zum Verzehr keine gute Wahl.
Achte beim Saatgut ausdrücklich auf die Eignung für essbare Microgreens. Gebeiztes oder anderweitig behandeltes Gartensaatgut gehört nicht in die Schale. Eine einzelne Sorte ist für den Anfang praktischer als eine Mischung mit unterschiedlichen Wachstumszeiten.
Ein Komplettset kann bequem sein, ist aber keine Voraussetzung. Falls du eines kaufst, prüfe auch, welche Matten oder Saatpads du für jede weitere Aussaat nachkaufen musst.
Wo stehen Microgreens im Winter am besten?
Suche den hellsten geeigneten Platz in der Wohnung. Ein unverschattetes Südfenster kann gut funktionieren. Steht ein Gebäude davor oder schirmt ein Balkonüberstand das Licht ab, sagt die Himmelsrichtung allein wenig aus.
Stelle die Schale nicht unmittelbar an eine kalte Fensterscheibe. Beim Lüften sollten die jungen Pflanzen keine kalte Zugluft abbekommen. Steht der Platz direkt über einem Heizkörper, kontrolliere die Feuchtigkeit besonders aufmerksam: Eine flache Unterlage kann dort schnell austrocknen.
Nach der Keimung brauchen die Pflänzchen ausreichend Licht. Werden sie auffällig lang und dünn oder neigen sich stark zum Fenster, prüfe zuerst, ob es in einem anderen Raum einen helleren Platz gibt.
Brauchst du eine Pflanzenlampe?
Für die erste Schale würde ich zunächst einen hellen Fensterplatz ausprobieren. Eine Pflanzenlampe kann sinnvoll werden, wenn du regelmäßig im Winter aussäen möchtest und das natürliche Licht dauerhaft nicht reicht.
Achte dann auf eine Leuchte für die Pflanzenanzucht und auf nachvollziehbare Angaben des Herstellers zu Beleuchtungsfläche, Abstand und Beleuchtungsdauer. Eine kleine Dekoleuchte erfüllt diesen Zweck nicht automatisch.
Zusätzliches Licht löst allerdings kein Temperaturproblem. Ist der Platz direkt an der Scheibe dauerhaft zu kalt, braucht die Schale zuerst einen besseren Standort.
Radieschen-Microgreens aussäen: Schritt für Schritt
Für diesen ersten Versuch nimmst du eine kleine, saubere Schale, eine passende Anzuchtmatte und Radieschensaatgut für essbare Microgreens. Die genaue Saatmenge und besondere Keimbedingungen entnimmst du der Packung.

1. Schale und Unterlage vorbereiten
Reinige die Schale gründlich und lege eine frische Matte ein. Befeuchte sie entsprechend den Angaben des Herstellers mit Trinkwasser. Sie soll gleichmäßig feucht sein, aber nicht dauerhaft in Wasser stehen.
2. Samen verteilen
Verteile die Samen gleichmäßig auf der Unterlage. Microgreens werden dichter ausgesät als Radieschen, die später Knollen bilden sollen. Die Körner sollten trotzdem nicht in mehreren dicken Schichten übereinanderliegen.
Beachte die Angaben auf der Saatgutpackung zur Menge und Aussaat. Eine feste Grammzahl für jede Schale wäre wenig hilfreich, weil Saatgut und Anzuchtsysteme unterschiedlich sind.
3. Während der Keimung kontrollieren
Halte die Unterlage feucht und kontrolliere die Schale täglich. Falls dein Anzuchtsystem eine zeitweilige Abdeckung vorsieht, richte dich nach dessen Anleitung. Entferne die Abdeckung, sobald die jungen Pflanzen Licht benötigen.
4. Einen hellen Platz geben
Nach der Keimung steht die Schale am vorgesehenen hellen Platz. Prüfe täglich die Feuchtigkeit. Sowohl Austrocknen als auch dauerhaft stehendes Wasser können die Anzucht beeinträchtigen.
5. Oberhalb der Unterlage ernten
Unter günstigen Bedingungen können Radieschen-Microgreens nach ungefähr sieben bis vierzehn Tagen erntereif sein. Im Winter zählt der tatsächliche Entwicklungsstand mehr als ein bestimmter Kalendertag.
Schneide die einwandfreien jungen Stängel mit einer sauberen Schere oberhalb der Unterlage ab. Wurzeln und Matte bleiben in der Schale.

Wachsen Microgreens nach dem Schneiden wieder nach?
Bei Radieschen, Brokkoli und Kresse solltest du für die nächste Ernte eine neue Aussaat einplanen. Einzelne andere Arten können zwar erneut austreiben, für eine kleine Schale ist das aber keine verlässliche Grundlage.
Wenn du öfter frisches Grün möchtest, kannst du später zwei Schalen zeitversetzt aussäen. Warte für den Anfang ruhig erst die erste Ernte ab. Danach weißt du besser, wie viel Grün du tatsächlich verwendest.

Was tun, wenn die Anzucht nicht gelingt?
Die Samen keimen kaum: Prüfe die Angaben auf der Saatgutpackung. Eine ausgetrocknete oder dauerhaft zu nasse Unterlage sowie ein sehr kalter Standort können die Keimung beeinträchtigen.
Die Pflänzchen werden lang und dünn: Häufig ist der Platz zu dunkel, besonders wenn es zugleich warm ist. Suche nach einem helleren Standort und beobachte die nächste Aussaat.
Die Pflanzen wachsen langsam: Im Winter können wenig Licht und niedrige Temperaturen die Entwicklung verzögern. Mehr Wasser oder Dünger beheben diese Standortprobleme nicht.
In der Auffangschale steht ständig Wasser: Entferne überschüssiges Wasser nach den Angaben deines Anzuchtsystems und prüfe bei der nächsten Aussaat, ob du die Unterlage zu stark befeuchtest.
Weiße Wurzelhaare oder Schimmel?
Manche jungen Pflanzen bilden feine weiße Wurzelhaare. Sie können besonders rund um die Wurzeln wie ein heller Flaum aussehen. Ein weißlicher Belag lässt sich jedoch nicht allein anhand dieser Beschreibung sicher bestimmen.
Wenn die Anzucht verschimmelt oder anderweitig verdorben wirkt, iss sie nicht. Verwirf bei erkennbarem Schimmelbefall die gesamte betroffene Schale, statt nur einzelne Pflänzchen herauszuschneiden. Reinige die Schale vor der nächsten Aussaat gründlich und verwende eine frische Unterlage.
Saubere Schalen, geeignetes Saatgut und eine feuchte, aber nicht dauerhaft nasse Unterlage sind die Grundlage für die nächste Anzucht.
Wie sicher sind selbst gezogene Microgreens?
Microgreens werden oft roh gegessen. Deshalb ist Hygiene von der Aussaat bis zum Teller wichtig. Auch selbst gezogenes Grün kann mit Krankheitserregern verunreinigt sein.
Wasche deine Hände vor der Aussaat und Ernte. Verwende saubere Materialien und Trinkwasser. Wasche geerntete Microgreens vor dem Verzehr sorgfältig unter fließendem Trinkwasser und verbrauche sie möglichst frisch. Waschen kann Keime verringern, aber nicht sicher vollständig entfernen.
Für Schwangere, kleine Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem ist der Verzicht auf rohe Microgreens die vorsichtigere Wahl. Wenn das junge Grün für diese Personen verwendet wird, sollte es ausreichend erhitzt werden. Verschimmelte oder verdorbene Anzuchten gehören grundsätzlich nicht auf den Teller.
Weitere Hinweise zum hygienischen Umgang mit rohen pflanzlichen Lebensmitteln findest du beim Bundesinstitut für Risikobewertung.
Was machst du mit der ersten Ernte?
Eine kleine Schale Radieschengrün ersetzt keinen Salatkopf. Sie kann aber ein belegtes Brot deutlich würziger machen. Auch zu Ei, Frischkäse oder auf einem Burger passt eine kleine Portion.
Mildere Sorten kannst du zu Kartoffeln oder Gemüsegerichten verwenden. Bei warmen Speisen gibst du sie während der Zubereitung hinzu, wenn sie ausreichend erhitzt werden sollen.
Für die erste Ernte brauchst du also kein besonderes Rezept. Schneide eine kleine Portion für ein Essen ab, das ohnehin auf dem Tisch steht.
Microgreens oder Wintergemüse im Balkonkasten?
Beides kann in deinem Essgarten einen Platz haben, erfüllt aber einen anderen Zweck.
Feldsalat, Spinat oder Winterportulak brauchen draußen Wurzelraum und müssen für eine Winterernte rechtzeitig wachsen. Während längerer Frostperioden kommt das Wachstum weitgehend zum Stillstand.
Microgreens stehen drinnen in einer kleinen Schale und werden sehr jung geerntet. Sie liefern weniger Menge, dafür kannst du auch dann eine neue Aussaat beginnen, wenn der Balkonkasten draußen gerade pausiert.
Wenn du größere Blätter für Herbst und Winter ernten möchtest, lies auch Wintergemüse im Balkonkasten: Was du ab August für Herbst und Winter säen kannst. Für die nächste Balkonsaison findest du im Beitrag Salat im Balkonkasten anbauen Hinweise zu Gefäßgröße, Pflanzabständen und Pflege.
Häufige Fragen zum Anbau im Winter
Kann ich Microgreens ohne Balkon anbauen?
Ja. Ein geeigneter heller Platz in der Wohnung reicht aus. Einen Balkon oder Garten brauchst du dafür nicht.
Können die Schalen im Winter draußen stehen?
Für eine verlässliche Anzucht in der kalten Jahreszeit ist ein geeigneter Platz im Innenraum praktischer. In einer flachen Schale sind die jungen Pflanzen draußen Frost und starken Temperaturschwankungen ausgesetzt.
Wie viel kann ich aus einer kleinen Schale ernten?
Das hängt von Schale, Sorte, Saatmenge und Wachstumsbedingungen ab. Plane eher mit Würzgrün für mehrere Gerichte als mit einer vollständigen Gemüsebeilage.
Kann ich die Unterlage nach der Ernte noch einmal verwenden?
Für eine neue Aussaat verwendest du eine frische geeignete Unterlage. Reinige die wiederverwendbare Schale zuvor gründlich.
Eine kleine Ernte für dunkle Tage
Beginne mit einer Schale und einer Sorte. Stelle sie an den hellsten geeigneten Platz, kontrolliere die Feuchtigkeit und beobachte, wie die Pflanzen dort wachsen.
Vielleicht landet die erste Portion Radieschengrün auf einem Brötchen mit Ei. Während draußen im Balkonkasten kaum etwas wächst, hast du so trotzdem etwas Eigenes für die Küche.
