Radieschen, Brokkoli und Erbsentriebe auf der Küchenfensterbank.

Microgreens selber anbauen: Sorten, Methoden und Ernte einfach erklärt

Auf der schmalen Küchenfensterbank stehen drei kleine Schalen nebeneinander. In einer leuchten rötliche Radieschenstiele, daneben wächst feines Brokkoligrün. Die Erbsen brauchen noch ein paar Tage. Zum Frühstück greift die Schere nur in die Radieschenschale: Ein kleines Büschel landet auf dem Brot mit Frischkäse, der Rest wächst weiter.

Für diese Ernte brauchst du keinen Balkon. Trotzdem lohnt es sich, vor der ersten Aussaat kurz hinzusehen. Radieschen wachsen anders als Erbsen, eine Matte verhält sich anders als Erde, und in einer Schale ohne Wasserabzug kann der Boden nass sein, obwohl die Oberfläche schon trocken aussieht. Mit einer Sorte und einer kleinen Schale lässt sich das gut kennenlernen.

Microgreens oder Sprossen: Was wächst hier eigentlich?

Im Spülglas keimen Sprossen. Du spülst sie regelmäßig und isst sie meist mitsamt Samen und Wurzel.

Microgreens wachsen auf Erde oder einem anderen Anzuchtmedium. Nach der Keimung bekommen sie Licht. Geerntet werden die jungen Stiele und Blätter mit der Schere; die Wurzeln bleiben in der Schale. Eine Radieschenknolle entsteht dabei nicht.

Bildplatz: links Sprossen im Spülglas, rechts Microgreens in einer flachen Schale. Bei den Microgreens sollte zu erkennen sein, dass oberhalb des Anzuchtmediums geschnitten wird.

Sprossen im Spülglas neben Microgreens in der Schale.

Welche Sorte soll zuerst in die Schale?

Eine Sorte pro Schale macht den Anfang leichter. So musst du nicht entscheiden, ob du schon erntest, während ein Teil der Mischung gerade erst keimt.

Alle Zeiten sind ungefähre Werte ab der Aussaat. Standort und Saatgut können sie verändern. Bei den Angaben zum Einweichen gilt im Zweifel die Anleitung auf deiner Packung.

Radieschen

Geschmack: würzig und leicht scharf
Keimzeit: ungefähr 1 bis 3 Tage
Ernte: meist nach 8 bis 12 Tagen
Einweichen: nein
Passt zu: Frischkäsebrot, Kartoffeln, herzhaft belegten Broten

Wenn morgens nur Zeit für ein Brot ist, reichen wenige abgeschnittene Stiele für eine frische, würzige Schicht.

Brokkoli

Geschmack: mild mit einer leichten Kohlnote
Keimzeit: ungefähr 2 bis 4 Tage
Ernte: meist nach 8 bis 12 Tagen
Einweichen: nein
Passt zu: Sandwiches, Ei, Suppen kurz vor dem Servieren

Brokkoli drängt sich geschmacklich nicht vor. Gerade auf einem bereits kräftig belegten Sandwich ist das angenehm.

Rucola

Geschmack: pfeffrig und leicht herb
Keimzeit: ungefähr 1 bis 3 Tage
Ernte: meist nach 6 bis 8 Tagen
Einweichen: nein
Passt zu: Tomatenbrot, Käse, Pizza nach dem Backen

Schneide für die fertige Pizza nur eine kleine Handvoll ab. Wärme und Rucolageschmack treffen sich erst auf dem Teller.

Grünkohl

Geschmack: leicht kohlartig und etwas nussig
Keimzeit: ungefähr 2 bis 4 Tage
Ernte: meist nach 8 bis 12 Tagen
Einweichen: nein
Passt zu: Hummusbrot, Bowls, Ofengemüse

Ein paar junge Blätter auf dem Ofengemüse bringen Frische, ohne dass du dafür einen ausgewachsenen Grünkohl ziehen musst.

Erbsen

Geschmack: frisch und süßlich nach jungen Erbsen
Keimzeit: ungefähr 2 bis 4 Tage nach dem Einweichen
Ernte: meist nach 8 bis 10 Tagen
Einweichen: ja, nach Packungsangabe; häufig etwa 6 Stunden
Passt zu: Sandwiches, Reisgerichten, Gemüsepfannen

Erbsentriebe wachsen höher als die feinen Brokkoliblättchen. Gib ihnen eine eigene Schale, in der sie sich ausbreiten können.

Sonnenblumen

Geschmack: mild, nussig und leicht süßlich
Keimzeit: ungefähr 2 bis 4 Tage nach dem Einweichen
Ernte: meist nach 9 bis 10 Tagen
Einweichen: ja, nach Packungsangabe; häufig etwa 12 Stunden
Passt zu: Salaten, herzhaften Broten, Dips

Die kräftigen Keimblätter geben einem Salat Biss. Samenhüllen, die noch daran hängen, ziehst du vor dem Essen ab.

Basilikum

Geschmack: deutlich nach Basilikum
Keimzeit: ungefähr 4 bis 7 Tage
Ernte: meist nach 12 bis 16 Tagen
Einweichen: nein
Passt zu: Tomaten, Pasta, Pizza nach dem Backen

Basilikum braucht einen warmen Platz und etwas mehr Geduld. Die gelartige Hülle, die sich um feuchte Samen bildet, gehört zu dieser Sorte.

Wenn du über diese ersten Sorten hinaus stöbern möchtest, findest du weitere Geschmacksrichtungen und Erntezeiten in der großen Microgreens-Sortenübersicht.

Gleichmäßig verteilte Radieschensamen vor der Keimung.

Erde, Matte oder Set: Was passt auf die Fensterbank?

Eine flache Schale mit Anzuchterde ist ein guter Anfang, wenn dich etwas Erde in der Küche nicht stört. Die Wurzeln halten sich im Substrat fest. Nach der Ernte leerst du die Schale und reinigst sie.

Eine Anzuchtmatte liegt statt Erde in der Schale. Das hält die Fensterbank beim Befüllen sauberer. Die Matte muss zur Schale passen und wird nach der Ernte gewöhnlich ersetzt.

Ein vorhandenes flaches Gefäß kann ebenfalls funktionieren, wenn es stabil, gründlich gereinigt und für Lebensmittel geeignet ist. Löcher im Boden und ein Untersetzer helfen dir, überschüssiges Wasser zu entfernen. Ohne Löcher musst du besonders vorsichtig gießen.

Ein fertiges Set erspart dir die Suche nach passenden Einzelteilen. Schau trotzdem nach, wie das Wasser aus der Schale kommt und was du für die zweite Aussaat nachkaufen musst.

Ein offenes Glas mit Substrat kann hübsch aussehen, hat aber keinen Wasserabzug. Diese Variante wurde hier noch nicht praktisch geprüft und ist keine Empfehlung für die erste Aussaat. Sie ist auch nicht mit dem Spülglas für Sprossen zu verwechseln.

Wenn du genauer zwischen den Gefäßen und Unterlagen wählen möchtest, lies „Microgreens anbauen: Schale, Matte, Glas oder Anzuchtset?“.

Was brauchst du für die erste Aussaat?

Für die Erdschale in der folgenden Anleitung brauchst du eine flache Schale mit Abzugslöchern und etwa 20 × 15 cm Grundfläche, einen wasserdichten Untersetzer, frische Anzuchterde, etwa 8 bis 10 g Radieschensaat und eine saubere Schere. Zum Anfeuchten reicht ein Becher Wasser; mit einer Sprühflasche lassen sich die frisch verteilten Samen besonders sanft befeuchten.

Nimm Saatgut, das für essbare Microgreens geeignet und nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt ist. Tomaten, Paprika und Kartoffeln gehören nicht in eine Microgreens-Schale für die Küche. Dünger brauchst du für diese kurze Anzucht nicht.

Eine Schale Radieschen: von der Aussaat bis aufs Brot

Radieschen sind für den ersten Durchgang praktisch, weil du ihre Entwicklung innerhalb weniger Tage sehen kannst. Die Samen werden trocken ausgesät.

Die Erde vorbereiten

Wasche Schale und Untersetzer gründlich aus. Fülle etwa zwei bis drei Zentimeter Anzuchterde ein und streiche die Oberfläche glatt, ohne sie fest zusammenzupressen.

Feuchte die Erde gleichmäßig an. Eine kleine Probe zwischen den Fingern soll sich feucht anfühlen, aber nicht tropfen. Setze die Schale anschließend auf ihren Untersetzer.

Die Samen aussäen

Verteile die 8 bis 10 g Saat über die ganze Fläche. Schau vor allem an die Ränder: Dort bleibt beim Streuen gern eine Ecke leer, während in der Mitte schon Körner übereinanderliegen. Schiebe solche Häufchen auseinander. Die Samen dürfen dicht liegen, sollen aber möglichst nur eine Schicht bilden.

Drücke sie sanft auf die Erde und befeuchte sie noch einmal leicht. Eine dicke Erdschicht kommt nicht darüber.

Die Keimung beobachten

Decke die Schale mit einem sauberen, lichtundurchlässigen Deckel oder einer zweiten Schale ab. Hebe die Abdeckung täglich an. Zuerst zeigen sich helle Wurzeln, dann drücken sich die jungen Stiele nach oben. Sobald die Triebe sichtbar aufkommen, nimm die Abdeckung weg.

Ab jetzt steht die Schale hell. Ein Fensterplatz ohne starke Hitze hinter der Scheibe ist günstig. Werden die Triebe nach dem Auflaufen lang und blass, ist der Platz zu dunkel.

Feucht halten und ernten

Prüfe täglich mit dem Finger, ob die Erde noch leicht feucht ist. Wenn sie trocken wird, gib wenig Wasser in den Untersetzer. Hat die Erde es aufgenommen, schütte den Rest weg.

Sobald die Keimblätter offen und die Stiele fest sind, kannst du schneiden. Bei Radieschen dauert das häufig etwa 8 bis 12 Tage. Halte ein kleines Büschel zusammen und schneide es mit der sauberen Schere knapp oberhalb der Erde ab. Spüle die Stiele unter sauberem Wasser ab und gib sie aufs Brot.

Für eine noch genauere Begleitung dieser einen Sorte gibt es den Beitrag „Radieschen-Microgreens anbauen: Aussaat, Pflege und Ernte“.

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Was tun, wenn die Schale anders aussieht als erwartet?

Die Keimlinge hängen herunter

Fühlt sich die Erde trocken an, gib Wasser in den Untersetzer. Prüfe nach kurzer Zeit, ob die Feuchtigkeit bis zur Oberfläche gelangt ist. Eine kleine Schale kann an einem warmen Fenster überraschend schnell austrocknen.

Die Erde bleibt nass oder riecht muffig

Schütte stehendes Wasser weg und entferne eine noch vorhandene Abdeckung. Werden Stiele weich, kippen Keimlinge um oder fühlt sich das Substrat schmierig an, beginne mit frischer Erde und einer gereinigten Schale neu.

Die Triebe werden lang und blass

Rücke die Schale nach dem Keimen an einen helleren Platz. Das hilft vor allem der nächsten Aussaat; bereits stark gestreckte Stiele werden nicht wieder kurz. Was am dunklen oder kalten Fenster zusätzlich wichtig wird, steht in „Microgreens im Winter anbauen“.

An den Wurzeln erscheint weißer Flaum

Feine Härchen direkt an den einzelnen jungen Wurzeln können normale Wurzelhaare sein. Breitet sich ein Belag dagegen über Samen, Erde und Stiele aus, ist Vorsicht angebracht. Ein einziges Merkmal reicht für eine sichere Bestimmung nicht immer aus.

Bei eindeutigem Schimmel, muffigem Geruch oder faulenden Stellen solltest du die Ernte nicht essen. Entsorge den Ansatz und reinige das Gefäß gründlich. Bilder und eine genauere Entscheidungshilfe findest du in „Microgreens schimmeln? Wurzelhärchen erkennen und Ursachen beheben“.

Was passiert nach der Ernte?

Schneide am besten nur so viel Grün ab, wie du gerade verwenden möchtest. Bleibt etwas übrig, spüle es mit sauberem Wasser ab, trockne es vorsichtig und lege es in den Kühlschrank. Nasse, zusammengedrückte Stiele verlieren schnell ihre Frische.

Aus den abgeschnittenen Radieschen wächst gewöhnlich keine zweite gleichmäßige Ernte. Leere und reinige die Schale, bevor du neu aussäst. Wenn dir die erste Portion geschmeckt hat, kannst du beim nächsten Mal zwei kleine Schalen mit einigen Tagen Abstand ansetzen.

Die Ernte muss nicht immer auf Frischkäsebrot landen. Welche Sorte zu einem Frühstück, einem herzhaften Brot oder einem warmen Gericht passt, zeigt „Microgreens essen: Welche Sorte passt zu welchem Gericht?“.

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